Rachel Kolly d'Alba© 2012 rachel Contact

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- 23 April, "Bieler Tagblatt", Daniel Andres "Eine Charismatische Geigerin"

EINE CHARISMATISCHE GEIGERIN

Rachel Kolly d’Alba konnte mit ihrem Geigenspiel das Publikum des Sinfoniekonzerts im Kongresshaus begeistern. Langen Applaus gab es für Solistin wie Orchester und Dirigent. ‚óŹ DANIEL ANDRES

Schon der Beginn der Suite zu « Pelléas et Mélisande» von Ga- briel Fauré liess aufhorchen. Es ist bekannt, dass Biel ein hervorra- gendes Sinfonieorchester hat, aber dirigiert von Jean-Jacques Kantorow, selber einer der besten Geiger in Frankreich, klangen die Streicher noch einmal wie ver- zaubert und die Bläser steuerten ihre betörenden Klänge bei. Dabei hatte die ursprüngliche Schauspielmusik auch Format und wirkte keineswegs wie eine Gelegenheitskomposition. Auch am Schluss riss das Orchester das Publikum förmlich hin, mit einer äusserst temperamentvollen Wiedergabe der zweiten Sinfonie in a-moll von Camille Saint-Saëns. Orchester und Dirigent ernteten lang anhaltenden und redlich verdienten Schlussapplaus.

Der eigentliche Star des Abends war die noch junge Geigerin Ra- chel Kolly d’Alba aus Lausanne. Sie hat vor etwas mehr als Jahres- frist das Publikum mit den sechs Solo Sonaten von Eugène Ysaÿe im Logensaal in Staunen versetzt. Die CD mit diesen aussergewöhn- lichen Werken ist soeben erschie- nen, und die Fans konnten sie auch in der Pause signieren lassen. Am Abend selbst verführte und verzückte sie die Konzertbesucher mit dem Violinkonzert in a-moll von Camille Saint-Saëns. Zwi- schen rhapsodischen Klängen mit kraftvollem Ton und überirdisch anmutender Zartheit verfügt die Geigerin über ein klangliches Re- pertoire, das nicht einfach ver- blüfft, sondern gepaart mit technischer Souveränität und sicht- und hörbarer Hingabe an die Musik das Werk bis in die feinsten Details auslotet und für den Hörer zum Erlebnis macht. Es ist eine erstaunliche Vereinigung zwischen der Künstlerin und ihrer Stradivarius, und der Zauber ihres Klanges kommt nicht vom Espressivo der linken Hand, sondern von einer sowohl kontrollierten wie in jedem Augenblick sensibel gespürten Verbindung des Bogens mit der Saite. Als programmierte Zugabe eine «Berceuse» von Ysaÿe und als weitere Zugabe ein Ausschnitt aus einer Solo-Sonate des Komponisten.

Neue CD bei Weltfirma
Während drei Tagen nimmt die Violonistin mit dem Bieler Orchester Werke von Saint-Saëns und Ysaÿe auf. Und zwar für die Welt firma Warner Classics, wie schon die Sonaten von Ysaÿe. «Ich bin die erste Schweizer Musikerin, die vermeldet Rachel Kolly d’Alba, «und die Firma liess mir bei der Auswahl der Werke jede Freiheit.» «Es ist ein unwahrscheinliches Glück, drei Tage für Aufnahmen zur Verfügung zu haben, heute macht man meist eine Live-Aufnahme mit ein paar Korrekturen hinterdrein.» Sie verschweigt allerdings auch nicht, dass sie die Miete für den Saal, etliche tausend Franken, aus ihrer Tasche zahlt. «Aber die Vermarktbarkeit der CD war für die Firma nie ein Thema, und Ysaÿe ist ja nicht ein Komponist, der grosse Verkaufszahlen verspricht.»
« Aber ich liebe nun mal die Musik des Übergangs zwischen 19. und 20. Jahrhundert, hätten Debussy oder Mahler oder Bruckner Violinkonzerte geschrieben, ich würde sie sofort spielen».
«Und ich spiele gern Musik, die sonst ein bisschen zu Unrecht vernachlässigt wird, das Violinkonzert von Szymanowsky etwa oder das Poème von Ernest Chausson, aber auch neue Musik von lebenden Komponisten, ich habe schliesslich selber Komposition studiert.»

«Schönes Rezital»
Eigentlich hätte sie ursprünglich eine CD mit lauter unbekannten und fast nie gespielten Stücken von Ysaÿe aufnehmen wollen. Doch einige der vorgesehenen Stücke haben eine so grosse Orchesterbesetzung, dass sie aus finanziellen Gründen nicht in Betracht kamen. So spielt sie drei Stücke von Ysaÿe, dazu das Violinkonzert und das Rondo capriccioso von Saint-Saëns ein. «Ein schönes Rezital für Violine und Orchester mit Stücken, die zusammenpassen, ohne dass man krampfhaft einen Zusammenhang
suchen muss.»

Neue CD mit Rachel Kolly d’Alba

• Neue CD mit Rachel Kolly d’Alba: Poêmes et caprices
Eugène Ysaÿe: Poême, Valse caprice, Berceuse.
Camille Saint-Saëns: 3. Violinkonzert in a-moll, Rondo capriccioso
mit Sinfonieorchester Biel, Leitung Jean-Jacques Kantorow.

• Bereits erschienen:
Passion Ysaÿe. Eugène Ysaÿe: Sechs Sonaten für Violine solo. Beide bei Warner Clas-
sics and Jazz (dan)
LINK: www. warnerclassicsandjazz.com







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